Tierärztliche Praxis für KleintiereDr. med. vet. Monika Meyer

Kastration Hündin

Kastration / Sterilisation: Was ist das?

Unter Kastration versteht man die Entfernung des Keimgewebes, also der Hoden beim männlichen Tier bzw. der Eierstöcke beim weiblichen Tier.

Eine Sterilisation bedeutet die Unterbindung der Fruchtbarkeit. Bei weiblichen Tieren werden die Eileiter durchtrennt, bei männlichen Tieren die Samenleiter. Die Tiere können sich so zwar nicht mehr fortpflanzen, der Sexualtrieb ist aber unverändert. Hündinnen werden also weiterhin läufig, können aber nicht tragend werden.

Bei der Kastration werden die Eierstöcke und eventuell ein Teil oder die gesamte Gebärmutter entfernt. Werden nur die Eierstöcke entfernt, spricht man von der Ovarektomie, bei der Entfernung von Eierstöcken und der gesamten Gebärmutter von der Ovariohysterektomie.

Bei der routinemäßigen Kastration einer gesunden Hündin werden nur die Eierstöcke entfernt, da es laut wissenschaftlichen Untersuchungen keinen Grund gibt, die Gebärmutter ebenfalls zu entfernen. In Folge der Kastration hat die Hündin keinen Zyklus mehr – sie wird nicht läufig und kann keine Welpen mehr haben.

Der Zyklus der Hündin
Im Durchschnitt wird eine Hündin alle 7 Monate läufig. Die rassespezifischen Unterschiede sind sehr groß (DSH z.T. alle 4 Monate läufig, Basenji alle 11 Monate). Nach dem siebten Lebensjahr verlängert sich das läufigkeitsfreie Intervall und die Wurfgröße in diesem Alter nimmt ab. Gesunde Hündinnen werden ihr Leben lang läufig.

Die Zeit der Läufigkeit ist bei manchen Hündinnen für das Tier und den Besitzer sehr anstrengend. Die Läufigkeit dauert insgesamt ca. 3 Wochen, wobei die letzten Tage (häufig ohne Blutungen) die „gefährlichen“ Tage sind, an denen die Hündin gedeckt werden kann. Dieser Phase folgt der sogenannte Diöstrus, in der die Hündin einen trächtigkeitsähnlichen Hormonverlauf durchmacht. Zum Ende des Diöstrus werden einige Hündinnen scheinträchtig – ein an sich physiologischer Zustand, der zur Milchbildung und psychischen Veränderungen (z.B. Nestbauverhalten, übermäßige Fürsorge für die vermeintlichen Welpen) führt. Ursprünglich diente die Scheinträchtigkeit, oder besser Lactatio sine graviditate also Milchbildung ohne Trächtigkeit, dem Erhalt des Rudels. Im Wolfsrudel wird nur die α-Hündin gedeckt. Da aber alle Hündinnen des Rudels scheinträchtig werden, können sich die Hündinnen gemeinschaftlich um die Welpen kümmern. Die α-Hündin kann so ihren „Führungsaufgaben“ nachkommen.

Warum kastrieren?
Der Hauptgrund für eine Kastration ist es, die Fortpflanzungsfähigkeit bzw. den Fortpflanzungstrieb zu unterbinden.
Die Kastration hat aber auch weitere Gründe. Einige Überlegungen sind im Folgenden aufgeführt. Soziale Problematik:
Läufige Hündinnen locken Rüden an. D.h. im Extremfall wird ihre läufige Hündin (bzw. Ihr Wohnhaus) während der Läufigkeit von Rüden als hoch attraktiv empfunden und dementsprechend „belagert“. Da auch Ihre Hündin während der Läufigkeit deckbereit ist, besteht das Risiko einer ungewollten Trächtigkeit.

Einige Hündinnen sind während der Läufigkeit sehr unsauber, d.h. sie bluten so stark, dass es schwierig ist Teppichböden u.ä. sauber zu halten. Mit geeigneten Höschen ist diese Problematik allerdings bei den meisten Hündinnen kontrollierbar.
Das Risiko an Gesäugetumoren zu erkranken ist bei kastrierten Hündinnen, die vor der 2. Läufigkeit kastriert wurden, signifikant geringer als bei unkastrierten Hündinnen. D.h. eine frühkastrierte Hündin erkrankt äußerst selten an Gesäugetumoren. Statistisch gesehen sieht es wie folgt aus:

Hündinnen, die vor der ersten Läufigkeit kastriert werden, entwickeln in ca. 2% Gesäugetumoren. Bei Hündinnen, die nach der ersten aber vor der zweiten Läufigkeit kastriert werden, steigt das Risiko auf 8%. Nach der zweiten Läufigkeit steigt das Erkrankungsrisiko auf 25% und nach der dritten Läufigkeit ist statistisch gesehen keine Beeinflussung der Tumorbildung feststellbar.
Eine kastrierte Hündin kann keine Gebärmuttervereiterung (Pyometra) bekommen.
Kastrierte Hündinnen erkranken außerdem deutlich seltener an Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit).
Eine häufige Sorge der Tierbesitzer ist die Veränderung des Wesens. I.d.R. werden kastrierte Hündinnen allerdings eher positiv durch die Kastration beeinflusst. Die meisten kastrierten Hündinnen bleiben etwas verspielter (kindlicher) und ausgeglichener als unkastrierte Hündinnen. Kastrierte Hündinnen sind nicht temperamentloser oder bewegungsunlustig.

Risiken und Nebenwirkungen der Kastration
Zunächst sei gesagt, dass ein gesundes Tier selbstverständlich nicht unnötigerweise einer Operation ausgesetzt werden sollte. Daher gilt es, sich gut zu überlegen, ob eine Kastration sinnvoll ist.

Das Narkoserisiko bei einer jungen, gesunden Hündin ist allerdings gering. Einige Hündinnen, v.a. langhaarige Rassen, wie z.B. Irish Setter, Afghanen, Cocker Spaniel etc. bekommen nach der Kastration ein sogenanntes Babyfell. Das ist ein vor allem an den Beinen und Ohren wachsendes dünnes, sehr weiches Fell. Bei einigen Rassen ist das Babyfell optisch störend. Gesundheitlich spielt es selbstverständlich keine Rolle.

Seltener werden kastrierte Hündinnen harninkontinent. Diese Inkontinenz tritt i.d.R. erst Monate bis Jahre nach der Kastration auf. Die Ursache ist bisher nicht vollständig geklärt. Die meisten der harninkontinenten Hündinnen lassen sich mit Tabletten und/oder Akupunktur zufriedenstellend therapieren. Eine dauerhafte Therapie ist bei diesen Hündinnen allerdings notwendig.
Viele Besitzer sind besorgt, dass ihre Hündin nach der Kastration an Gewicht zunimmt. Kastrierte Hündinnen neigen ebenso wie läufigkeitsunterdrückte Hündinnen dazu dicker zu werden. Bei einer bedarfsgemäßen Fütterung bleibt Ihre Hündin aber schlank. Wir beraten Sie gerne, wie Sie Ihre kastrierte Hündin ernähren sollten.

Frühkastration
Die Frühkastration bedeutet die Kastration vor der Geschlechtsreife, d.h., vor der ersten Läufigkeit. Wie oben erwähnt, verringert sich bei der Frühkastration das Risiko an Gesäugetumoren zu erkranken signifikant. Laut Studien zeigen manche Hündinnen nach der Frühkastration ein verändertes Sozialverhalten. Vermutet werden Trennungsängste und verändertes Angst- und Fluchtverhalten.
Das Auftreten von Harninkontinenz soll zwar seltener, bei Auftreten jedoch bedeutend ausgeprägter und somit schwieriger zu behandeln sein.
Leidet die Hündin unter einer Jungtiervaginitis (Scheidenentzündung), so besteht das Risiko, dass dieser Zustand durch die Frühkastration chronisch wird.

Medikamentöse Läufigkeitsunterdrückung
Die Läufigkeitsunterdrückung durch Hormonspritzen bietet keine gute Alternative zur Kastration. Die Hündin muss natürlich nicht operiert werden, die Kosten übersteigen allerdings bei regelmäßiger, lebenslanger Läufigkeitsunterdrückung die Operationskosten. Weiterhin erhöht die medikamentöse Läufigkeitsunterdrückung das Risiko für Ihre Hündin an Gesäugetumoren zu erkranken, Gebärmutterveränderungen und Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) zu bekommen. Nicht selten führt die Läufigkeitsunterdrückung schließlich doch noch zur Kastration, allerdings unter wesentlich ungünstigeren Voraussetzungen, nämlich auf Grund einer Gebärmuttervereiterung.

Fazit
Dass eine Hündin einmal im Leben Junge bekommen sollte ist übrigens ein Ammenmärchen. Ob Ihre Hündin kastriert werden sollte oder nicht, ist eine ganz individuelle Entscheidung. Diese Information soll Ihnen bei der Entscheidungsfindung helfen.

Wenn Sie weitere Fragen haben, beantworten wir Ihnen diese gerne!



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